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Chronik 100 Jahre Raumausstatter Hilgenhaus |
Carl Hilgenhaus, geb. am 24. Mai 1874
Nach amtlichen Unterlagen der Handwerkskammer Arnsberg wurde der Handwerksbetrieb Hilgenhaus am 01.03.1898 gegründet. Der Sattlermeister Carl Hilgenhaus wagte in diesem Jahr im Alter von 24 Jahren den Sprung in die Selbständigkeit mit der Gründung der eigenen Sattlerei und Polsterei.
Nach Schule und Lehrzeit in Bigge hatte er sich durch Gesellenjahre in Elberfeld, Köln und Münster weitergebildet und für die Selbständigkeit "fit" gemacht. Die Werkstatt wurde im Elternhaus auf der Alfert eingerichtet.
Das Jahr 1898 war ein interessantes Jahr. In der Gemeinde Nuttlar wurde die erste Wasserleitung installiert. Die Bahnnebenstrecke nach Winterberg wurde gebaut. Der MGV 1888 Nuttlar feierte sein 10jähriges Bestehen. August Senger war Schützenkönig in Nuttlar und Josef Struwe Schützenkönig in Ostwig. In Bestwig wurde die Werks-Kleinbahn nach Ramsbeck eröffnet. Vikar Engelbert Biggemann trat seine Stelle in Nuttlar an.
Durch Fleiß und gute Arbeit bemühte sich der junge Handwerksmeister Kunden und Käufer seiner Leistung zu gewinnen. Bereits im Jahre 1905 wurde ihm von der Handwerkskammer Arnsberg die silberne Medaille für hervorragende Leistungen verliehen.
Im Jahre 1899, ein Jahr nach der Gründung, heiratete er am 19. Oktober Anna Huß, geb. am 24. Dezember 1873 in Rumbeck, die ihm eine hervorragende Meisterfrau war. Ihnen wurden vier Kinder geschenkt: Karl geb. am 08.09.1900, Anna geb. am 18.04.1903, Johannes geb. am 10.12.1904 und Friedrich geb. am 17.06.1906. Um eine große Familie ernähren zu können, mußte neben der handwerklichen Tätigkeit auch noch eifrig Landwirtschaft betrieben werden. Ziegen, Schweine, Hühner und Kaninchen sicherten das Überleben. In dieser Zeit wurde auch noch für einige Jahre der spätere Gasthof Senger übernommen, wobei sich der Sattlermeister als Gastwirt und seine Frau als Köchin mit der Spezialität "Sülze mit Teufelssoße" bewährte, die immer wieder verlangt wurde.
Der 1. Weltkrieg brachte eine schwere Zeit. Die Werkstatt wurde zur Militärwerkstatt, in der jede Menge Militärtornister (umgspr. Affen) angefertigt wurden.
Am 1. Juli 1918 wurde das Haus auf der Alfert durch ein Feuer weitgehend zerstört. Der Dachstuhl brannte ab. Bis zum Wiederaufbau wohnte Familie und Werkstatt notdürftig im Saal des Gasthofs Bannenberg zu Ostwig.
In den schweren Zeiten nach dem 1. Weltkrieg mit höchster Arbeitslosigkeit und schwindender Kaufkraft reifte trotzdem der Gedanke, den Standort Alfert, hinter der Bahn aufzugeben und einen besseren, mehr beachteten Platz zu finden. 1926 gelang es eine Parzelle von 550 m² an der damaligen Provinzialstraße (heutiger Standort) von dem Freiherrn von Wendt zu erwerben. 1927 wurde dort dann das Wohn- und Geschäftshaus mit einem Schaufenster errichtet, ein mutiger, aber auch gefährlicher Schritt. Die anhaltende Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Flaute führte den Betrieb immer eng am wirtschaftlichen Ruin entlang und konnte nur mit größter Anstrengung und eiserner Sparsamkeit überstanden werden. Das damalige Baugebiet trug im Volksmund zu Recht den Namen "Wackelhausen".
Friedrich Hilgenhaus, geb. am 17.06.1906
Am 18.07.1938 übernahm dann Friedrich Hilgenhaus, jüngster Sohn vom Firmengründer, der bereits seit vielen Jahren im Betrieb tätig war, im Alter von 32 Jahren den Handwerksbetrieb. Ein sehr mutiger Schritt, galt es jedoch, große Altlasten aus der Bauzeit zu sanieren und die Altersversorgung der Eltern und kranken Schwester voll zu übernehmen.
Friedrich Hilgenhaus hatte seine Lehre von 1920 bis 1923 bei seinem Vater absolviert und war anschließend mehrere Jahre auf Wanderschaft bei namhaften Raumausstatterbetrieben in Arnsberg, Dortmund, Düsseldorf und Lünen tätig. Am 30. November 1932 legte er an der Handwerkskammer Arnsberg die Meisterprüfung ab. Am 4. Juli 1934 heiratete er Maria Gödde, geboren am 07. April 1907 in Nuttlar. Als gelernte Näherin waren beide ein gutes Gespann für ein Raumausstattergeschäft. Ihre drei Kinder waren Anneliese, geb. am 17.05.1935, Leni und Karl geboren am 22.12.1936.
Schon ein Jahr nach der Betriebsübernahme kam die wohl schwerste Zeit durch die Einberufung zur Wehrmacht im Jahre 1939 bis zum Oktober 1945. Der 2. Weltkrieg drohte geschäftlich und privat alles zu vernichten. An der Werkstattür war ein Schild "geschlossen" angebracht und im Laden wurde ein provisorische Wohnung für ausgebomte Familien eingerichtet. Die glückliche Rückkehr aus dem Krieg bedeutete zugleich einen völligen Neuanfang. Die Nachfrage war groß, Material war kaum zu beschaffen. Es wurden überwiegend Reparaturen ausgeführt oder Material und Waren im Tauschgeschäft besorgt. Erst durch die Währungsreform 1948 besserten sich die Verhältnisse schnell und es ging wieder steil bergauf.
Schon 1952 konnte durch einen Anbau Laden und Werkstatt wesentlich erweitert werden. Polstermöbel, aber auch serienmäßig gefertigte Matratzen waren die Hauptprodukte. Neue Aufgabenfelder kamen hinzu. Durch die verbesserten Verhältnisse wurden auch vermehrt Dekorationsaufträge sowie Fußbodenarbeiten in Linoleum und Teppich ausgeführt.
Im Jahre 1952, am 03. Mai verstarb der Gründer Carl Hilgenhaus, nachdem er seine Frau Anna bereits zwei Jahre vorher am 17.01.1950 verloren hatte.
Im Jahre 1955 erhielt der Fuhrpark, bestehend aus einer Zweiradkarre und einem Fahrrad, das erste Auto, einen Opel Rekord mit Dachträger.
Im Jahre 1960 wurde durch einen erneuten Anbau an der Nordseite eine wesentliche Erweiterung der Räume erreicht und eine gute Entwicklung des Geschäftsablaufs ermöglicht. Gleichzeitig wurde eine grundlegende Renovierung der vorhandenen Räume durchgeführt. Wie in allen Jahren vorher wurden immer mindestens ein Lehrling erfolgreich ausgebildet, von denen einige Kammersieger und auch zwei Landessieger hervorgingen.
Zum 1. September 1967 wurde im Interesse der Velmeder Kunden das Ladenlokal des tödlich verunglückten Kollegen Henneke durch Anmietung übernommen und erfolgreich weiter entwickelt.
Karl Hilgenhaus, geb. am 22.12.1936
Zum 1. Januar 1971 übernahm dann Karl Hilgenhaus mit seiner Ehefrau Wilhelmine, geb. Wiemann, geb. am 05.08.1941, den Raumausstatterbetrieb. Beide waren durch mehrjährige Tätigkeit im Hause bestens vorbereitet. Karl Hilgenhaus hatte nach Lehre und Gesellenzeit u.a. in Lippstadt und Lüdenschied bereits 1959 nach einjährigem Besuch der Bundesfachschule in Oldenburg die Meisterprüfung und staatliche Abschlußprüfung als Raumausstatter abgelegt. Die gelernte Kauffrau Wilhelmine erhielt ihre fachliche Ausbildung in Dortmund und Bochum. Auch die erfahrenen Eltern blieben noch viele Jahre mit Rat und Tat an der Seite der jungen Mannschaft.
Am 1. Januar 1980 konnten die räumlichen Verhältnisse durch den Ankauf des westlichen Nachbarhauses Wegener deutlich verbessert werden. Die Gebäude wuchsen durch einen Zwischenbau zusammen. Dadurch entstand ein neuer Ausstellungsraum, ein Lager- und Füllraum für Federbetten und neue Nähwerkstätten für Gardinen und Polsterei. Gleichzeitig stand in dem ehemaligen Haus Wegener eine zweite Wohnung zur Verfügung, die von den Eltern genutzt wurde. Dies führte auch in den Wohnverhältnissen zu großer Erleichterung, da die Familie Karl Hilgenhaus mit ihren vier Kindern Wolfgang geb, am 16,06.1964, Thomas geb. am 09.08.1965, Reiner geb. am 17.03.1969 und Verena geb. am 27.08.1973 dringend Platz benötigten.
Friedrich Hilgenhaus verstarb am 12. April 1990, seine Frau Maria am 11. Juni 1987.
Da der Zustand des angemieteten Ladens Velmede nicht mehr akzeptiert werden konnte, wurde das Lokal am 01. Mai 1992 aufgegeben. Durch einen kleinen Grundstückstausch war es möglich geworden, ein eigenes Gebäude in unmittelbarer Nähe des alten Geschäftes zu errichten, welches am 16. Mai 1992 eröffnet wurde. Zwei Schaufenster und ca. 80 m² Fläche stehen zur Verfügung.
Als die Besitzerin des östlichen Nachbarhauses, in Nuttlar, Frau Maria Stratmann verstarb, stand dieses alte Schieferhaus zum Verkauf an und konnte als zukunftssichernde Maßnahme am 06. April 1995 erworben werden. Ein großer Matratzenlagerraum aber auch ganz wichtige fünf Parkplätze stehen dadurch zur Verfügung.
Schon im Hinblick auf die 100 Jahrfeier wurden erhebliche Innen- und Außen-renovierungsarbeiten durchgeführt und ein gutes Erscheinungsbild erreicht.
Die erfolgreiche Entwicklung über viele Jahrzehnte war aber auch nur durch treue und arrangierte Mitarbeiter möglich, wobei Alfred Hesse von 1951 bis 1995 mit 44 Dienstjahren bestimmt große Verdienste hat. Neben den Eheleuten Karl und Wilhelmine, Thomas und Brigitte Hilgenhaus gehören zur derzeitigen Crew: Friedel Tillmann (Verkäuferin Velmede), Rosel Teipel (Näherin), Monika Liese (Verkauf und Näherin), Hans-Günter Biemelt (Raumausstatter) und Christina Wiese (Auszubildende).
Thomas Hilgenhaus, geb. am 09.08.1965
Zum Ende des Jubiläumsjahres 1998 wird das Geschäft dann an Thomas Hilgenhaus und seine Frau Brigitte, geb. Götte, geb. am 04.03.1968, übergeben. Beide sind dafür gut qualifiziert. Thomas war nach der Lehre im elterlichen Betrieb als Geselle in Hannover, Bielefeld und München tätig. Danach besuchte er die Bundesfachschule Oldenburg und legte im Dezember 1989 dort seine Meisterprüfung ab. Auch Frau Brigitte, zuständig für Laden und Büro ist Absolventin von Fachkursen der Bundesfachschule Oldenburg und hat mit der Einführung der EDV eine neue Seite der Firmengeschichte aufgeschlagen.
Für das nächste Jahrhundert seines Bestehens, auf dem Wege ins 21. Jahrhundert, der Globalisierung und des Euro möge der Raumausstatterbetrieb in der vierten Generation erfolgreich weiter leben.